„Ein nach­haltiges Leben ist ohne Roh­stoffe nicht möglich“

Joel Huckels ist Projektingenieur bei Hülskens. Warum bei der Planung neuer Projekte neben der Wirtschaftlichkeit immer das Thema Nachhaltigkeit eine wichtige Rolle spielt, erzählt er im Interview.

Wofür brauchen wir Rohstoffe?

Joel Huckels Jeder Mensch, wir alle, brauchen Rohstoffe zum Leben. Mit ihnen werden die Häuser gebaut, in denen wir wohnen und die Straßen, auf denen wir fahren. Auch die Zahnpasta, mit der wir uns morgens und abends die Zähne putzen, wird aus Rohstoffen gewonnen. Man kann sagen, dass jeder Mensch pro Stunde ein Kilogramm mineralische Rohstoffe verbraucht – vor allem Kies und Sand.

Welche Rolle spielen Rohstoffe bei einem nachhaltigen Leben?

JH Sie spielen eine sehr große Rolle. Denn der Wandel, hin zu einem nachhaltigen Leben und zu einer nachhaltigen Welt, funktioniert nicht ohne den Einsatz von Rohstoffen. Wer nachhaltige Gebäude errichten will, benötigt die Rohstoffe, um sie zu bauen. Selbst, wenn wir irgendwann komplett auf Autos verzichten wollen, brauchen wir Straßen und Wege für die Fahrräder und Gleise für den Ausbau des Bahnnetzes. Auch eine Windkraftanlage benötigt ein starkes Fundament. Für all das benötigen wir Rohstoffe.

Ist es möglich nachhaltig Rohstoffe abzubauen?

JH Natürlich! Entscheidend ist dabei eine gute Planung. Der Umgang mit den vorhandenen Rohstoffen muss gewissenhaft sein. Gerade eine Konzentration von vorhandenen Rohstoffgewinnungsstätten ist dort von Vorteil. Auch Recycling spielt dabei eine Rolle. Die Recyclingquote liegt in Deutschland bei über 90 Prozent. Das bedeutet, viele Rohstoffe können wiederverwendet werden. Aus Häusern, die abgerissen werden, können Materialien für neue Projekte genutzt werden. Und obwohl es das Ziel ist, sich da den 100 Prozent zu nähern, muss man klar sagen, dass nicht alles wiederverwendet werden kann. Auch die Verfügbarkeit der Recyclingbaustoffe muss gegeben sein. Es wird nicht mehr abgerissen als gebaut oder saniert wird.

Ohne Primärbaustoffe ist folglich nachhaltiges Bauen nicht möglich, da bei Straßen, Gebäuden und Brücken auch die gewünschte Stabilität und Langlebigkeit gewährleistet sein muss.

Was tut Hülskens, um den Rohstoffabbau so umweltfreundlich und nachhaltig wie möglich zu gestalten?

JH Bei Hülskens treiben wir die Nachhaltigkeit voran, indem ein Umweltmanagementsystem etabliert wird. Zusätzlich sind unsere Gewinnungsstätten über das CSC (Concrete Sustainability Council) zertifiziert. Hier wird überprüft, wie ökologisch, sozial und ökonomisch verantwortlich wir arbeiten. Wir stecken viel Arbeit in die Dokumentation und Überwachung unserer Arbeit, um all diese Themen im Blick zu behalten. Die Geräte, die wir einsetzen, sind modern und ein wachsender Teil ist elektrisch. Dadurch verringern wir unseren CO2-Abdruck. Das alles ist ein Prozess, aber es ist uns wichtig, diesen Weg zu gehen. Durch den Einsatz von Abbaukontrollsystemen auf unseren Gewinnungsgeräten wollen wir ebenfalls unsere Nachhaltigkeit steigern. Ziel ist es, den Abbau genau zu dokumentieren und es zu ermöglichen, die Lagerstätte gänzlich hereinzugewinnen.

 

Klar ist, Rohstoffe werden gebraucht. Und auch da ist es ganz klar: Es ist nachhaltiger, vor Ort abzubauen als Tonnen von Kies und Sand beispielsweise aus weit entfernten Ländern an den Niederrhein zu bringen.

 

Was unsere Abgrabungen im Speziellen angeht, sorgen wir nicht nur für Ausgleich. Wir erarbeiten im Vorfeld klare Konzepte, damit wir nach unseren Aktivitäten Flora und Fauna nicht negativ beeinflussen. Dadurch konnten wir zahlreiche Naherholungsgebiete schaffen und gleichzeitig der Natur auch etwas zurückgeben. Im Zuge unserer Rekultivierungsarbeiten entstehen einzigartige Landschaftszüge. Unsere ehemaligen Abgrabungen sind ein Teil der Natur geworden und dementsprechend können auch Abgrabungen so rekultiviert werden, dass diese einen ökologischen Mehrwert bieten. Es ist uns ein besonderes Anliegen, mit landschaftstypischen Bepflanzungen und Gestaltungen der Ufer- und Seestrukturen etwas zu hinterlassen, dass Mensch und Tier begeistert. Besonders Insekten und Vögel sind in der Regel die ersten Besucher und Stammgäste, für die wir neue Lebensräume geschaffen haben. Der Einklang zwischen Rohstoffgewinnung und Nachhaltigkeit ist durch die frühzeitige Ansiedlung der tierischen Bewohner immer wieder gut zu beobachten. Der verantwortungsbewusste Umgang mit der Natur durch natürliche Konzepte bietet also bis zum Ende die Möglichkeit, die Kiesgewinnung nachhaltig zu gestalten.

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