Integrierte Projekte für den Hochwasserschutz

Seit über 150 Jahren gibt es den Bereich Wasserbau bei Hülskens. Heute bedeutet das vor allem auch Hochwasserschutz und integrierte Projekte für die Landschaftsgestaltung nach dem Abbau von Kies und Sand.

Ein Interview mit Joel Huckels.

Welche Rolle spielt Hülskens beim Hochwasserschutz?

Joel Huckels Das Unternehmen wurde ursprünglich mal als Wasserbauunternehmen gegründet. Heißt, Hülskens beschäftigt sich schon seit über 150 Jahren mit Bauprojekten an und auf Schifffahrtswegen und Wasserstraßen. Dazu gehört seit vielen Jahren auch der Hochwasserschutz. Konkret unter anderem der Deichbau bzw. die Deichverlegung. Aber auch im Rahmen der Rohstoffgewinnung im Rheinvorland sind wir am Hochwasserschutz beteiligt. So eine Abgrabung schafft immer einen sogenannten Retentionsraum, also vereinfacht gesagt – ein Gebiet, das sehr viel Wasser aufnehmen kann, bevor es an anderer Stelle Schäden und Gefahren verursacht. Die Fließgeschwindigkeit des Rheins und anderer, kleinerer Gewässern in der Region wird durch so einen Retentionsraum verringert, dementsprechend sind auch die Erosionen und Schäden durch hohe Wasserstände geringer. Es gab auch zahlreiche Projekte bei denen das Rheinvorland im Kombination mit einer Abgrabung tiefer gelegt wurde, um so Retentionsraum zu schaffen. Dies erkennt man oft nicht, da viele wiederverfüllt wurden um Sie wieder bewirtschaften zu können. 

Wo können wir uns das angucken?

JH Ein sehr wirkungsvolles Beispiel eines solchen Retentionsraums haben wir mit dem Polder Lohrwardt bei Rees geschaffen. Bei den drei Seen Reckerfeld, Roosenhof und Grindsee kann im absoluten Notfall der Deich geöffnet und dann der gesamte Bereich geflutet werden. So eine gezielte Flutung des Polders kann die Deiche an anderer Stelle so entlasten, dass sie dem Wasser sicher standhalten und es nicht zu Hochwasserschäden und unkontrollierten Überflutungen kommt. Generell entlang des Rhein findet man im Rheinvorland verschiedene Altabgrabungen, diese bieten durch die Absenkung des Geländes dem Wasser mehr Platz um sich im Hochwasserfall auszubreiten. 

Brauchen wir mehr integrierte Projekte für unseren Schutz vor Hochwasser am Niederrhein?

JH Nach meiner Einschätzung, gibt es keine akute Hochwassergefahr hier am Niederrhein. Wie wir aber leider 2021 erleben mussten, sind wir zukünftig nicht absolut sicher vor extremen Wettersituationen. Allerdings ist wichtig herauszustellen, dass wir hier in Sachen Rohstoffgewinnung eine andere Situation haben, als beispielsweise in Erftstadt. Dort wurde trocken abgegraben, hier bei uns haben wir Nassabgrabungen. Da muss man deutlich unterscheiden.

Wie könnten dann solche Projekte aussehen?

JH Ich wünsche mir für die Zukunft, dass bei allen Bauprojekten am und im Wasser immer verschiedene Bereiche und Kompetenzen zusammengeführt werden. Kurz: die Kombination von Rohstoffgewinnung, Hochwasserschutz sowie Renaturierung und dem Naturschutz schon ab der Planung. Wir bei Hülskens meinen, dass man damit zum besten Ergebnis kommt. Das Beispiel Polder Lohrwardt zeigt, wie so etwas sehr gut funktionieren kann. Allerdings brauchen Planungen zum Hochwasserschutz und zur Deichsanierung viel Zeit in der Vorbereitung und der Genehmigung. Viele Entscheider und Institutionen sind eingebunden, in der Bevölkerung bekommt man das oft gar nicht so mit. Daher ist es in unserem Interesse, deutlich zu machen, dass für uns das Thema Hochwasserschutz schon immer eine große Rolle gespielt hat und in Zukunft spielen wird.

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